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Feb
06

Psychosoziale Notfallversorgung am Arbeitsplatz: Die wichtigsten Tipps für den Ernstfall

Suizid, Todesfall, Mobbing: Psychisch belastende Extremsituationen am Arbeitsplatz häufen sich. Ulrich Welzel begleitet Unternehmen in solchen Fällen und berichtet hier, worauf es ankommt.

Psychosoziale Notfallversorgung am Arbeitsplatz: Die wichtigsten Tipps für den Ernstfall

Ulrich Welzel begleitet Unternehmen bei der psychosozialen Notfallversorgung.

Die psychisch belastende Extremsituation am Arbeitsplatz hat viele Gesichter. Und sie kommt häufig ohne Vorwarnung. Es kann der plötzliche Tod des Unternehmers sein, der Suizid der Mitarbeiterin, schwerwiegende Mobbingvorwürfe gegenüber Kollegen, der Kindstod in der Familie des jungen Mitarbeiters oder eine schwere, tödlich verlaufende Krebsdiagnose. Betriebe aller Größe und Branche können von solch dramatischen Ereignissen betroffen sein: Das DAX-Unternehmen, der große Mittelständler oder der kleine Handwerksbetrieb um die Ecke. Die Folgen können auch einen ernsthaften betriebswirtschaftlichen Schaden hinterlassen: Der AOK-Fehlzeitenreport 2017 bestätigt einen Anstieg der Krankschreibungen aufgrund von psychischen Belastungen von 79,3% zwischen 2006 und 2016. Jetzt sind Arbeitgeber in mehrfacher Hinsicht gefordert: Welche formalen Regeln sind zu beachten, zum Beispiel beim Kondolieren? Wie sieht eine psychosoziale Notfallversorgung am Arbeitsplatz gegenüber den Betroffenen aus?

Diese Tipps helfen Unternehmen, im Ernstfall schnell zu reagieren und fehlerfrei zu handeln.

1. Seien Sie auf Krisen vorbereitet

Für schwer wiegende Krisensituationen am Arbeitsplatz gibt es keine Patentrezepte: Jede Situation ist anders. Checkliste, die auf alle Situationen gleichermaßen passen, lassen sich nicht erstellen – was es so schwer für Unternehmensverantwortliche macht, sicher mit der Situation umzugehen. Großunternehmen haben ihre eigenen Abteilungen und sind auf Unfälle und Todesfälle oft vorbereitet. Bei den meisten der Mittelständler, Handwerksunternehmen und Kleinbetriebe sieht es dagegen ganz anders aus. Jeder Unternehmer hofft, dass es nie zum schweren Unfall, zur Fehlgeburt in der Familie des Mitarbeiters oder auch nur zu Mobbingvorwürfen kommt. Der erste Schritt ist es deshalb, dass sich Arbeitgeber auf solche Notsituationen zunächst einmal innerlich vorbereiten: Was könnte theoretisch passieren? Was wäre dann zu tun? Nur wer schwere Krisenfälle am Arbeitsplatz überhaupt ins Kalkül zieht, kann darauf vorbereitet sein.

2. Gehen Sie achtsam mit Mitarbeitern um

Für Unternehmen gilt auch heute noch: Gehen Sie achtsam mit der Gesundheit Ihrer Mitarbeiter um. Jedem Unternehmensverantwortlichen sollte klar sein, dass jeder Fehltag dem Unternehmen durchschnittlich 409 EUR kostet, so berechnete der Haufe-Verlag. Sprich, wenn Sie als Unternehmer die Fehltage nicht in Griff bekommen, kostet Sie das Umsatz, Verlust von Mitarbeitern und sorgt für ein schlechtes Arbeitgeberimage. Ein Beispiel aus unserem Beratungsumfeld: Ein Vorgesetzter in der Produktion eines Industriebetriebs wusste, dass seine Mitarbeiterin ihren demenziell erkrankten Vater zuhause pflegt. Er nahm Konzentrationsschwierigkeiten, Erschöpftheit und Händezittern bei ihr wahr – reagierte jedoch nicht. Als es zu einem Unfall mit Teilamputation des Zeigefingers kam, stand das Unternehmen vor einem ernsten Problem. Der Vorgesetzte macht sich heute massive Vorwürfe, seiner Wahrnehmung nicht gefolgt zu sein. Heute ist ihm klar, welche Doppelbelastung häusliche Pflege für die Familie bedeutet, und dass es in einer solchen Situation unter Umständen andere Arbeitszeitmodelle benötigt.

3. Üben Sie Verhaltensweisen in Notsituationen ein

Neben den allgemeinen, gesetzlichen Sicherheitsstandards sollten Unternehmen ihr Notfallmanagement aufbauen oder ergänzen: Dies sollte eine psychosoziale Notfallversorgung am Arbeitsplatz mit einbeziehen. Ein gutes Beispiel ist es, mindestens einmal im Jahr eine unangekündigte Brandschutzübung durchzuführen. In den seltensten Fällen sieht die Unternehmensleitung darin auch ein Übung für die Presseabteilung. Gibt es keine Presseabteilung, liegt die Informationshoheit bei der Geschäftsführung. Immer wieder erleben wir im Fall der Fälle eine völlige Überforderung, wenn die Presse vor der Tür steht, Mitarbeiter wissen wollen, was los ist oder die Öffentlichkeit informiert werden will. All das sollte geübt sein, um angemessen reagieren zu können.

4. Scheuen Sie nicht davor zurück, externe Hilfe heranzuziehen

Kommt es überraschend zu einer psychisch belastenden Extremsituation, sind Arbeitgeber gefordert. Die Begleitung durch spezialisierte externe Berater wie uns kann dabei helfen, schnell die wichtigsten Fragen und Abläufe zu organisieren. Im Todesfall eines Mitarbeiters übernehmen die externen Begleiter beispielsweise den Kontakt zur Familie des Verstorbenen, die Kommunikation mit den anderen Unternehmensebenen, Mitarbeitern und Kunden. Und mit der Presse, die eventuell vor der Tür steht und ihre Fragen loswerden will. Der Vorteil für Unternehmen: Externe Profis sind geschult und haben emotional Abstand. Sie bringen Ruhe, Struktur und Halt in einer schwierigen Situation, haben Zeit für Geschäftsleitung, Kollegen und Familie des Verstobenen.

5. So organisieren Sie die Wieder-Eingliederung

Arbeitgeber sollten wissen, welche physischen und psychischen Reaktionen sowie Verhaltensänderungen als Folge von Krisensituationen am Arbeitsplatz auftreten könnten. Erstmal handelt es sich um ganz normale Stressreaktionen, die meistens nach vier bis sechs Wochen vorbei sind. Hält dieser Stresszustand über diesen Zeitpunkt hinaus an, empfehlen wir sich einen Trauma-Spezialisten zu suchen. Da Spezialisten nicht selten eine Wartezeit von bis zu 10 Monaten haben, bedeutet das für Betroffene wie für Unternehmer oft eine lange Fehlzeit. Für diese Situation sollten Unternehmen auf Trauma-Therapeuten zurückgreifen. Kommt der Mitarbeiter zurück ins Unternehmen, erlebt man häufig, dass das unmittelbare Team inklusive Vorgesetztem nicht vorbereitet ist. Die möglichen Folge: Isolation, wiederholte Krankmeldung und – nicht selten – Kündigungen. Die sensible Situation verlangt von den handelnden Personen mehr ab als sonst. Aus diesem Grund ist eine sorgfältig geplante und durchgeführte psychosoziale Notfallversorgung am Arbeitsplatz besonders wichtig.

Über Ulrich Welzel:

Ulrich Welzel ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens „Trauer am Arbeitsplatz“. Das Unternehmen, ein multidisziplinäres Spezialisten-Team, hat sich der psychosozialen Notfallversorgung und den notfallpsychologischen Interventionen in allen Facetten verschrieben. Unternehmen präventiv auf den Notfall vorzubereiten, in der Akutphase die Betroffenen zu stabilisieren und den Betrieb zu unterstützen, sowie Betroffene in der Nachsorge zu begleiten, versteht Ulrich Welzel als seine Hauptaufgaben.

Als multidisziplinäres Spezialisten-Team hat sich das Unternehmen der psychosozialen Notfallversorgung und den notfallpsychologischen Interventionen in allen Facetten verschrieben.

Ziel aller Maßnahmen ist es, die vielfältigen Folgen eines traumatischen Ereignisses für Betroffene wie für Unternehmen zu minimieren.

Kontakt
Trauer am Arbeitsplatz
Ulrich Welzel
Blumenstraße 6a
82377 Penzberg
(8856) 937 93 93
ulrich.welzel@trauma-am-arbeitsplatz.de
http://trauma-am-arbeitsplatz.de

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